Dienstag , 26 September 2017

Combox für Gelangweilte + Begriffstutzige

Danke liebe SwisscomAch die liebe heile Welt der Telekommunikation. Da werden Dienstleistungen plötzlich scheinheilig an die Konsumenten verschenkt und gaaaanz uneigennützig optimiert. Ich spreche von dem Anrufbeantworterdienst „Combox Basic“ von Swisscom. Ich wurde kürzlich von Swisscom angeschrieben. Man teilte mir mit, dass meine Combox neue Funktionen besässe, die Benutzerführung verbessert wurde und ich mich vor Freude fast nicht mehr halten könne und ich gleich in Begeisterungsstürme ausbrechen würde. Okeeee, ein klitzekleinwenig habe ich übertrieben, aber zumindestens so ähnlich kam es rüber.

Eine Notiz meiner Mutter hat mich dazu bewogen, endlich den Anrufbeantworter-Spruch neu aufzunehmen. Ein wenig kürzer und knackiger soll er sein. So rufe ich nun auf die entsprechende Nummer meines „unsichtbaren Gratis-Anrufbeantworters“ an:

„Willkommen bei Ihrer Combox. Sie haben eine abgehörte Nachricht in Ihrer Combox.“ Es folgt die ganze bereits abgehörte Nachricht (meiner Mutter… und die dauert!) … danach weisst mich eine typische Swisscom-Stimme auf die Optionen hin. Mit „3“ darf ich die Nachricht löschen. Nun höre ich eine erneute Ansage, nach einer Aufzählung aller verfügbaren Ziffern gelange ich zur Neun, welche das Einstellungsmenü öffnet. Nach der Wahl „1 – Persönliche Begrüssung ändern“ wird mir meine – mir bestens bekannte – Begrüssung vollständig abgespielt. Mit weiteren gekonnten Tastendrücken navigiere ich mich durch das Menüsystem, hangle von Option zu Option, bestätige und verneine Sicherheitsabfragen und spüre langsam aber allmählich, wie sich mein ursprüngliches Vorhaben im Begriffe ist, sich zu verflüchtigen. Die säuselnde Stimme wandelt sich in meinen Gedanken hin zu einer alten buckligen Märchentante, welche mit unendlicher Geduld und Hingabe mittels nimmerendenden Wiederholungen versucht, die neugierig auf sie gerichteten Kinderaugen wachzuhalten. Ich spüre, wie ich gedanklich abdrifte und mir nichts mehr wünsche, dass ich nun endlich im dichten Dunkel des Waldes das ersehnte Knusperhäuschen entdecke, mein eAnkunft mit einem Klopfzeichen ankündige und sich plötzlich die süss duftende Lebkuchentüre öffnet, eine fürchterliche Hexe mit einer dicken Warze auf der Nase durch den Türspalt hervorlugt, ihre schrumpligen Finger mir ein Nähertreten bedeuten und die Worte hüstelt: „Drücke die 9 um mich in den Ofen zu schieben!“. Ups… bin wohl grad „etwas“ vom eigentlichen Pfad abgekommen. :-D
Der Verzweiflung nahe :-)Liebe Swisscom… ich weiss aus eigener Erfahrung, Kunden sind ab und zu schwer von Begriff, oder dezenter ausgedrückt, leicht zu verwirren. Klar, mit Eurer alten, schmucklosen Combox gab es bestimmt einige Rückfragen. Doch eure neue „optimierte“ Combox schiesst den Vogel ab… sie erinnert mich an die frühen 80iger Jahre, als in den Unterhaltungssendungen am TV („Teleboy“, „Einer wird gewinnen“, etc.) der Moderator noch minutenlang die Spielregeln erklärte, damit auch der uninteressierteste und schwachsinnigste begriffsstutzigste Mensch alles begreift. Nun… vielleicht bin ich in 50 Jahren mal froh, wenn mir alles so vorgekaut wird, doch im Moment fühle ich mich gelangweilt und genervt.

Immerhin ist diese Hirnwäsche gratis… sofern man vom eigenen Telefon darauf anruft. ;-)

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Stark, Google! (Doodle vom 7.2.14 zu Sotschi)

Mehr gibts dazu eigentlich nicht zu sagen…  #Sotschi #Homophobie #OlympicGames

One comment

  1. Hey Huwi… Dein Schreibstil fasziniert mich! Freue mich schon auf Deinen nächsten Exkurs in die Märchenwelt.
    Gruss Peter