Donnerstag , 25 Mai 2017

Flitterwochen mit Besichtigung eines Polizeipostens – Sri Lanka Tag 8 und 9

Während wir hier auf Sri Lanka herumkurven und unzählige Eindrücke sammeln, erfahren wir übers Internet, dass es Zuhause geschneit hat. So freut es uns umso mehr, dass wir so viele aufgestellte und lesenswerte Rückmeldungen von Euch Daheimgebliebenen erhalten. Vielen Dank dafür, ihr motiviert uns sehr, uns am Abend zusammenzusetzen und unser Reisetagebuch fortzusetzen.

 

Auch heute haben wir wieder vieles zu erzählen. Unsere Reise führte von Dambulle nach Trincomalee, wo die Auswirkungen des langjährigen Krieges noch deutlich und allgegenwärtig zu spüren und zu sehen sind, und dann weiter nach Arugambay, dem Surferparadies schlechthin.

 

Dambulle – Das unerwartete Fachgespräch

 

In jedem Hotel erleben wir eine wiederkehrende Situation: Vor dem hoteleigenen Juwelierladen warten verkaufstüchtige Händler und versuchen mit aller Kraft und ausgefuchster Fragetechnik die neu eingetroffenen Gäste für sie zu gewinnen. Nun, auch in Dambulle wurden wir erneut auf die «cheap cheap gems» angesprochen. Doch dieses Mal entwickelte sich so manches anders.

 

Ich winkte mit der Begründung ab, ich sässe mit meiner Frau, ihres Zeichens Goldschmiedin, bereits an der Quelle. Der freundliche Mann liess sich davon aber noch nicht abschrecken, wirkte etwas ungläubig, doch iPhone sei Dank (später folgt dazu noch eine Fortsetzung) hatten wir einige Bilder ihrer Werke bei sich und begannen ihre Textura-Kollektion zu präsentieren.

 

Der Ungläubigkeit folgte pures Staunen, dann setzte aber der Geschäftstrieb wieder ein und es begann ein angeregtes Fachgespräch. Worauf fahren europäische Kunden ab? Wie macht man dieses und jenes und worin unterscheiden sich die Schmuckstücke der hiesigen «Jewelerys» von unseren?

 

Wir haben uns wirklich gut unterhalten, hatten Spass daran und jeglicher Verkaufsdruck war dem grossen Interesse von «Ferros» gewichen. Am Schluss bedankte er sich auf seine Art und liess Gabi gar einige Edelsteine auswählen, die sie mit nach Hause nehmen darf.

 

 

Sri Lanka allgemein – Tierwelt allgegenwärtig

 

Kühe gehören auf die Weide, Hunde in den Zwinger, Frösche in den Teich und Echsen ins Terrarium. Das zumindestens deckt der gemeine Schweizer. Doch hier werden wir immer wieder überrascht.

 

Da klettert ein Gecko im Schlafzimmer an der Wand umher, im Badezimmer schaut ein gelber Frisch einen keck beim Betreten an (ich sag euch, da erschrickt man schon ein wenig), Kühe und Ochsen spazieren gemütlich auf dem Highway, Ziegenherden springen unbekümmert über die Strassen, exotische Stabheuschrecken bieten uns auf dem Treppenhausgeländer im Hotel eine Privatvorstellung und freche Affen hangeln von Ast zu Ast wie bei uns die Spatzen von Dach zu Dach. Ach ja, Hunde gibts hier auch… selten als Haustier, aber in unglaublicher Anzahl wild und überall. Verwahrlost und teilweise schwer missbildet, ein schrecklicher Anblick.

 

Trincomalee – Vier Stunden Fahrt für 95 Kilometer!

 

Von Dambulle nach Trincomalee sagte mir das GPS gerade mal 95 Kilometer an. Unser Fahrer jedoch schätzte die nötige Zeit schon zu Beginn auf vier bis fünf Stunden, was uns ungläubig dreinblicken liess. Doch er sollte recht behalten! Diese Strecke wurde zu Kriegszeiten sehr stark in Mitleidenschaft gezogen und wird derzeit vom Staat komplett saniert. Das bedeutete für uns kilometerlange Holperpisten, Schlaglöcher und eine durchschnittliche Geschwindigkeit von gerade mal etwas über 20 Km/h.

 

Trincomalee – Traumhafter Beach, Schnorcheling und Krebsrotgabi

 

Doch die Strapazen hatten sich definitiv gelohnt. Als wir ankamen und uns erstmals zum Strand begaben, waren wir schlicht und einfach überwältigt. Wow! Soweit das Auge reichte, ein weisser, einsamer Strand lag vor uns. Weit und breit kein anderes Hotel zu sehen, keine Liegestühle, keine Touristen, nur ein paar Fischer, welche ihre Netze einzogen. Das klare, türkisblaue Wasser war warm wie in einer Badewanne. Gabi entdeckte eine Muschel, griff zu und liess sie erschrocken wieder ins Meer fallen… irgendwie sind wir es uns nicht gewöhnt, dass die Muscheln am Strand noch leben. :-)

 

Wir waren überwältigt. Darum kontaktierten wir Sassi und fragten, ob wir hier eine zusätzliche Nacht bleiben könnten. «Kein Problem» antwortete er.

 

Wir buchten für den nächsten Morgen ein Boot und Schnorchelausrüstung. Das Boot fuhr uns zum «Pigeon Island Resort», einer kleinen, unter Schutz stehenden Insel, gerade mal 2 km Luftlinie vom Hotel entfernt. Dort liessen wir uns vom Wasser treiben und wir entdeckten und bewunderten die wunderbare Unterwasserwelt: Farbenprächtige Fische in einer faszinierenden Korallenlandschaft liessen uns schon staunen…

 

Doch trotz Sonnencreme hatte uns diese Erfahrung noch eine weitere bereitet: Die Sonne ist so nahe am Aequator doch etwas intensiver, drum durfte ich am Nachmittag «Krebsrotgabi» mit Aprés-Sun einschmieren… ok, sie mich («Krebsrothuwi») auch. :-( Autsch!

 

Trincomalee – Besichtigung einer Polizeistation

 

Unsere Eindrücke in diesem wunderbaren Land sind grossartig. Wir erlebten viele freundliche Menschen, die es ehrlich mit einem meinen, und fühlten uns stets sehr sicher und behütet. Auch wenn man zweifelsfrei als Tourist zu erkennen sind, wurden wir stets mit Respekt behandelt und nie bösartig über den Tisch gezogen. Klar, das eine oder andere Mal bezahlten wir ein klein wenig mehr als Einheimische… dennoch waren wir froh, dass wir nie die aus arabischen Ländern typischen Feilschereien durchleben mussten. So fühlten wir uns also richtig sicher und wohl… und Gabi ging am Strand walken, während ich im Hotel mich sportlich betätigte.

 

Kurz bevor Gabi wieder im Hotel zurück war, wurde sie von einem «Jungleman» unerwartet umgestossen und hatte dabei die Bauchtasche entrissen. Sie richtete sich sofort wieder auf, schrie um Hilfe, doch weit und breit war kein Mensch in Reichweite und verfolgte den Dieb noch einige Meter, bis er dann im Dschungel verschwand. Sie kam völlig aufgeregt ins Hotel zurück.

 

Wir waren geschockt, aber froh, dass Gabi sonst nichts passiert ist. IPhone, Kopfhörer und zwei Ringe waren weg. Sofort rief ich die Swisscom an und bat um Sperrung des Handys… das ging so zwar nicht, lediglich die Sim-Karte wurde gesperrt. Immerhin. Die Mitarbeiter des Hotels waren total hilfsbereit, liessen sofort Polizei und Security ausschwärmen, in der Hoffnung den Räuber zu finden. Leider erfolglos.

 

Am Tag darauf kamen wir dann zu einer Besichtigung eines Polizeipostens. Die «Besichtigung» dauerte etwa zwei Stunden… ok, so gross war die Station nicht. Aber hier läuft eben alles etwas anders.

 

Die Polizeistation war etwa 6×3 Meter gross, unterteilt in zwei «Räume»… eigentlich war es eher eine Baracke mit Wellblechdach und ohne Türen. Der Polizeichef nahm sich sofort uns an und begann irgendwas in irgendein dickes Buch zu schreiben. Danach übergab er dieses Buch einem anderen Polizisten, der schrieb dann noch viel mehr hinein.

 

Als er irgendwann damit fertig war, sagte er uns, er müsse dies nun noch «kopieren». Wenn ihr nun denkt, er legt nun das handgeschriebene Buch auf einen Kopierer, dann irrt ihr. Stattdessen nahm er sich ein neues weisses Blatt und begann, fein säuberlich in Tamil-Schrift das Protokoll abzuschreiben. Zuletzt wurde es noch vom Chef unterzeichnet und uns ausgehändigt.

 

Hier blieb die Zeit wohl noch stehen. Die Einrichtung war einfach: Holztische, einige Plastikstühle, Kugelschreiber und besagte Bücher (eingefasst wie bei uns Schulhefte) und zwei Polizistinen, welche mit ihrer mechanischen Schreibmaschine auf Schreibarbeiten warteten.

 

Bei allem Unglück und Ärger dürfen wir nun aber sagen, dass diese «Besichtigung» sich zu einem Highlight auf unserer Reise entwickelte.

 

 

Sri Lanka allgemein – Die Freude an einigen Brocken Singhalesisch

 

Während wir auf dem Posten warteten, nutzte Meine Liebste die Zeit, ihre (elektronische, und damit nun verloren gegangene) Deutsch-Singhalesisch-Wörterliste in einem kleinen Notizbuch neu anzufangen.

 

Mit grosser Begeisterung halfen alle Anwesenden mit, vom Schreiberling bis hin zum Polizeichef. Es war köstlich und auch später auf der Reise zeigte sich immer wieder, dass das ehrliche Interesse für die einheimische Sprache und Kultur ein regelrechter Türöffner ist.

 

… und wenn Gabi so weiter macht, spricht sie bald fliessend singhalesisch. :-)

 

 

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3 comments

  1. Einfach köstlich, Abenteuer puur ;-)….
    spontan fallen mir zwei Sachen ein: zum Glück konnte Swisscom das Handy nicht sperren, es hätte dem Dieb doch die ganze Freude genommen, das wäre doch wirklich sehr schade…denn das Handy ist ja sowieso weg…und warum soll man dem Dieb nicht auch ein bisschen Freude gönnen….und dann zum zweiten noch der Spiegel….es nützt nichts wenn man sich seitlich vor den Spiegel stellt ;-)….der Sonnenbrand würde aber auch so nicht einfach verschwinden….aber ein Schmunzeln wäre garantiert ;-)
    Viel Spass weiterhin.
    Gruess Fredy