Donnerstag , 25 Mai 2017

Kaufrausch, Raubkopien, andere Gepflogenheiten und Fitnesstraining mit Treppensteigen – Sri Lanka Flitterwochen Tag 6 & 7

Unsere Flitterwochen in diesem fernen Paradies überraschen uns immer wieder mit allerlei Unerwartetem. Die vielen Eindrücke und Begegnungen halten uns ständig auf Trab. Wir kommen kaum mehr nach mit dem Bloggen, daher heute eine Zusammenfassung verschiedener Geschehnisse der letzten zwei Tage.

 

Kandy – Kleidermarkt sorgt für Kaufrausch

 

An diesem Ort hatten wir zwei Übernachtungen eingeplant, so freuten wir uns auf einen ausgiebigen Stadtbummel. Wir schlenderten durch die Strassen und liessen uns zuerst in ein Einkaufszentrum leiten. Zuerst fanden wir den Ticketverkauf bei einer Treppe ins oberste Geschoss etwas seltsam, ahnten anfänglich eine Touristenfalle. Doch als sich lauter Einheimische für 50 Rupien ein Ticket kauften, wagten wir es auch. Eine unglaubliche Lautstärke und ein Gedränge erwartete uns an dieser «Fair 2012». Schnell probierte Gabi die ersten Kleider an, natürlich inmitten von Kleidern, Schachteln und Menschen. Ich wiederum entdeckte einen «Laden» mit Videogames, jedes Spiel kostete nur 90 Rupien, keine Franken also, hübsch vertütet und präsentiert. Produziert wurden diese Exemplare übrigens gleich am Stand selbst, eine entsprechende «Kopiermaschine» war hier im Dauereinsatz. Sowas wäre bei uns zuhause undenkbar.

 

Etwas später verliessen wir das Center und fanden uns ziemlich unvermittelt in einem riesigen Kleidermarkt wieder. Haufenweise Textilien versuchten die teilweise windigen Händler an den Mann, bzw. Frau zu bringen, dementsprechend laut und chaotisch gings hier zu und her. Doch einer der Händler hatte schnell erkannt, dass er mit uns ein Geschäft machen kann, wenn er sich ein wenig anstrengen würde. So stürtzte er sich regelrecht in seinen «Lumpenhaufen» und suchte Hemden in meiner Grösse und passend zu meinem Geschmack. Nun, jetzt bin ich ganze sieben Hemden reicher, der Händler um 2450 Rupien (etwa 22 Franken). Wahnsinn!

 

Kandy – Ein neuer Haarschnitt

 

Es ist seit vielen Jahren für mich eine schöne Tradition, auf Reisen in einem einheimischen Coiffeursalon die Haarpracht zu schneiden. Auch in Sri Lanka wollte ich mir dies nicht entgehen lassen. Der Salon war gerade mal drei auf zwei Meter gross, bot Platz für zwei Kunden. Der Coiffeur war des Englischen jedoch nicht mächtig, aber ein junger Singhalese übernahm spontan die Rolle des Dolmetschers. Eine knappe Viertelstunde später glich ich einem buddistischen Mönch aufs «Haar», lediglich die orangene Mönchsrobe fehlte mir noch. Fürs Reisebudget: 150 Rupien (der Einheimische vor uns zahlte noch 100 Rupien :-)

 

Kandy – Einladung bei unserem Guide Jagoda zu Hause

 

Ein grosses Erlebnis war die Einladung unseres Guides Jagoda zu sich nach Hause. Über eng verschlungene Strassen fuhr er uns zu seinem «Homeplace», direkt am «Jungle» angrenzend. Ganze Affenherden sollen ab und an die Strasse hinaufrennen, auch die Telefonleitung brauche fast täglich wegen diesen bananenfressenden Plagegeistern repariert zu werden.

 

Die Wohnung war einfach aber ordentlich eingerichtet. Man spürte den grossen Stolz auf seine Familie ob den unzähligen Familienfotos, Auszeichnungen und Erinnerungsstücken. Da seine Frau gerade im Spital weilte, hatte er sich selbst ins Zeug gelegt und uns ein traditionelles Rice and Curry gekocht.

 

Aus verschiedenen Berichten im Internet und in Reiseführern haben wir schon herausgelesen, dass bei Einladungen andere Gepflogenheiten gelten als bei uns zu Hause. Dennoch fühlten wir uns teilweise schon etwas seltsam, wenn sich unser Gastgeber nicht zu uns an den Tisch setzt und mit uns mit isst, sondern quasi vor uns stehen bleibt und uns beim Essen zuschaut. Auf unsere Frage hin, ob er sich nicht zu uns setzen möchte, antwortete er nur, er esse dann später.

 

Das Essen schmeckte uns bestens, auch die Schärfe war genau nach unserem Geschmack. Als Dessert offerierte er uns «Buffalo Curd», ein Büffelmilchjoghurt mit einer süssen Spezialität, welcher einem flüssigen Honig ähnelt, jedoch von Bäumen gewonnen wird. Lecker!

 

Vielleicht erinnert ihr Euch noch an unsere ersten Eindrücke, was den Guide anbelangt. Nach einigen Tagen haben wir uns wohl irgendwie gefunden und «spüren» uns inzwischen. Dieses «gemeinsame» Nachtessen, aber auch die anderen Verpflegungshalts auf unseren Fahrten, haben Jagoda wohl gezeigt, was wir gerne mögen und wie wir ticken. Uns wiederum ist es gelungen, ihn besser zu verstehen (damit meine ich den speziellen Englischslang).

 

Trotzdem passieren immer wieder kleine Missverständnisse, die aber in der hier üblichen Gesellschaftsrolle begründet sein muss. Er, der Guide und Fahrer, fühlt sich uns verpflichtet zu «dienen», was uns wiederum seltsam und ungewohnt vorkommt. (Wir sind ja auch keine Kolonialherren.) Doch selbst wenn wir unseren Koffer selbst rollen wollen oder die Toilette suchen, ist er stets sofort da und lässt sich nicht davon abbringen, seine «Aufgabe» ehrenhaft zu erfüllen. Er würde es auch nie wagen, eine Aussage darüber zu machen, welches Programm oder welche Zeit ihm entgegenkommen würde. Stattdessen ist er einfach da, oder er wartet eben Stunden auf uns…

 

Jagoda zeigt aber grosse Freude, wenn er mit uns in ein kleines lokales Geschäft gehen kann und wir uns dort mit grossem Interesse mit den Einheimischen essen und reden. Inzwischen haben wir gar einige Brocken Singhalesisch gelernt, was eigentlich allen Singhalesen hier ein spontanes Lächeln, als Ausdruck ihrer Freude ins Gesicht zaubert.

 

Was wir in den ersten Tagen mit Sicherheit verstanden haben ist, dass die hiesigen Menschen mit dem doch eher hochnäsigen, überheblichen Kolonialherrenstil mancher Engländer Mühe haben und daher umso offenherziger reagieren, wenn man ihnen stattdessen auf gleicher Höhe begegnet und sich ehrlich für ihre Kultur, Sprache und ihr Leben interessiert.

 

Kandy – Nuvams «my first cache»

 

Nuvam meldete sich wie angekündigt und so statteten wir ihm einen Besuch kurz vor dem Eindunkeln ab. Ein flippiger, langhaariger Singhalese mit perfektem Britishenglisch begrüsste uns und lud uns zu einem Tee ein. Geocaching will er zum Anlass nehmen, die USA näher kennenzulernen. Bald geht er nämlich dort studieren und mit den Geocaches wird er an tolle Orte geführt. Es war ein spannendes Gespräch und eine weitere Begegnung, welche wir in bester Erinnerung halten werden.

 

Sri Lanka allgemein – Diebstahlprävention nur für Einheimische

 

Eine besondere Ungleichbehandlung bemerkten wir, als wir den einen oder anderen Kleiderladen betraten. Die Singhalesen müssen nämlich beim Eingang ihre Taschen abgeben. Doch wir als Touristen werden konsequent durchgewunken. Ich zweifle, dass Touristen wirklich ehrlicher sind als die Einheimischen. Im Gegenteil, wir hatten bisher so viele faire und ehrliche Menschen getroffen, wurden nie wirklich ernsthaft abgezockt und wurden stets zuvorkommend und freundlich behandelt. Egal, ob im Hotel, auf der Strasse oder in einer kleinen Hintergasse.

 

Dambulla – Ein schwindelerregendes Naturwunder

 

Als wir von unserem Guide erfuhren, dass die Tickets für Touristen ganze 3750 Rupien (34 Franken), Einheimische irgendwo um die 500 Rupien kosten, befürchteten wir Schlimmes. Doch es kam anders. Deutlich weniger Touristen als erwartet kämpften sich mit uns die Hunderten von Stufen des Sigiriya Rocks empor und schwitzen bei gleissender Sonne und Temperaturen um die vierzig Grad Celsius in Bächen.

 

Die Treppen und Wege, direkt an diesem einzigartigen Felsen angebracht, bringen wohl manchen Höhenangstgeplagten schier zur Verzweiflung. Selbst für Schwindelfreie wie uns gab es den einen oder anderen Moment, wo es uns nicht mehr so ganz wohl war. Ich möchte mir gar nicht vorstellen müssen, wie das für die Arbeiter war, welche diese Wege gebaut und das Material in die Höhe geschleppt hatten.

 

Oben angekommen, erlebten wir einen traumhaften Sonnenuntergang, herrlich angenehme Sommerwinde und eine fantastische Aussicht. Ganz ehrlich, ich glaube, ich bin das erste Mal von einem Naturwunder wirklich beeindruckt!

 

 

Sabrina Reinhart, Lisi Opitz gefällt dieser Artikel

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6 comments

  1. Dambulla ist wirklich ein Traum. Wenn man bedenkt wann diese Anlage gebaut wurde. Ihr wisst ja jetzt wieviel Höhenmeter das Material hocheschleppt wurde.
    Ich wünsche euch noch viele tolle Erlebisse in diesem einzigartigen Land mit wunderbaren Menschen.

  2. Deine Reportage und Schilderungen sind top! Fühle mich an unsere Rundreise in 2001 zurückversetzt (übrigens eine der schönsten unter den zahlreichen innert 30 Jahren. Diese „grüne Hölle“ fasziniert. Aber der Austieg auf den Sigiriya war für mich grausam – bin nicht schwindelfrei!. Da halfen dann auch die schönen Nakten nicht … :-)
    Euch noch viel Vergnügen und Spass.
    Peter

  3. Einfach toll eure Erlebnisse zu lesen….man kann sich so richtig einfühlen wie es euch so ergeht und das beste daran, man würde am liebsten gerade selber dort sitzen und Ferien geniessen….
    Uebrigens Huwi, ein schöner Haarschnitt hast du dir da gegönnt, so wirklich Gangsti…warum hat denn Gabi nicht auch gleich hingehalten ;-)
    Viel Spass mit weiteren Abenteuern und tolle Erlebnisse wünscht
    Fredy und Dagmar