Donnerstag , 21 September 2017

Flitterwochen auf einer fernen Insel – Sri Lanka Teil 2

Unser zweite Tag startete wieder mit einem reichhaltigen, fruchtigen Frühstück. Wir mussten uns etwas beeilen, denn um 10 Uhr wurden wir von Faris und seinem Chef abgeholt. In einem grossen, klimatisierten Fahrzeug wurden wir nach Galle chauffiert, wo wir in die «Fabrik» geführt wurden.

 

Besuch in der Schmuckfabrik

 

An sechs Goldschmiede-Arbeitsplätzen wurde fleissig gearbeitet. Es wurde routiniert gesägt, gefeilt und gelötet. Gabi fühlte sich pudelwohl bei ihren Berufskollegen, welche ebenfalls riesigie Freude zeigten, als sie selbst Hand anlegen wollte. Es war eine spannende Erfahrung, mal nicht mit einem gasbetriebenen Brenner, sondern mit einem Benzin-Vergaser-Pumpsystem zu arbeiten. Die Männer amüsierten sich, denn es war erstaunlich anstrengend, im gleichmässigen Takt die Fusspumpe zu betätigen und dabei ruhig den Brenner ans Schmuckstück zu führen.

 

Danach folgte eine Demonstration des Giessens. Da wurde ein Modellring flugs in zwei Ossa-Sepiahälften gedrückt (das sind die weichen «Knochen» des Tintenfischs, ganz feinporig wie das grüne Schaummaterial für Blumengestecke, an. welchem Kanarienvögel gerne ihre Schnäbel wetzen), Einlassstellen für das flüssige Silber reingeschnitten und Ableitungen für Lufteinschlüsse eingearbeitet. Mit einer Handkurbel wurde dann die Glut aus Kokosnussschalen belüftet und darin der kleine Schmelztigel erhitzt. Schnell war das Silber geschmolzen und kaum hat man sich versehen, war der Ring bereits gegossen.

 

Diese Besichtigung war faszinierend: Zum einen kam uns vieles sehr vertraut vor. Gewisse Arbeitsschritte, Einrichtungen und Werkzeuge. Dann aber wiederum war uns anderes fremd: Augenmass statt Schublehre und Ringgrössenstab, klassischer Guss statt moderner Hochvakuum-Giesserei, enge Arbeitsplatzverhältnisse, die grosse Lautstärke vom Strassenbetrieb nebenan…

 

Wir weilten bestimmt zwei Stunden in dieser Schmuckfabrik, bevor wir dann ins Verkaufsgeschäft geführt wurden. Und prompt waren wir da, wo wir nicht hin wollten. :-)

 

Fünf oder sechs Menschen standen um uns herum, brachten uns Kistchen um Kistchen, Edelsteine jeder Couleur und Schliffs wurden uns hingelegt und wir fühlten uns einem «leichten Kaufdruck». Berufskollegen sind wohl aber die mühsamsten Kunden. Ihnen lässt sich nicht alles aufschwatzen, nein, sie haben gar genaue Vorstellungen darüber, was sie wollen und was nicht. Schnell wirkte der bullige, an einen Türsteher erinnernde Chef etwas gelangweilt. Bestimmt spürte er, heute nicht das grosse Geschäft mit uns zu machen. Dennoch fand Gabi einen speziellen, schönen Stein: Das hell schimmernde, honigfarbene Saphir-Katzenauge erinnerte uns an die Augen unsere Katze «Alu»… sie hat einen dunklen Einschluss in der Iris, ganz wie in diesem Edelstein.

 

Ab ins Chaos

 

Zu Fuss spazierten wir dann die Strassen von Galle entlang. Eindrücklich empfanden wir die immerwährende, grosse Lautstärke um uns herum: Autos, TukTuks und Busse, ständiges Gehupe (die Hupen sind wohl wichtiger als funktionierende Bremsen), dann ein Menschengewimmel und allerorts Lautsprecher, welche in einzigartigem Singsang irgendwelche Sachen anpreisten.

 

Trotz der vielen ungewohnten Eindrücke fühlten wir uns stets wohl, sicher und konnten uns daran richtig erfreuen. Selbst auf der Strasse spürten wir grosse Freundlichkeit, die Menschen lächelten uns zu, die Kinder sprangen um uns herum. Ab und an begleitet uns wieder ein «Schatten», der uns ungefragt dies und das empfehlen möchte. Er läuft einige Schritte mit uns, bis er dann plötzlich wieder eine andere Richtung einschlägt und uns so schnell verlässt, wie er gekommen war.

 

Es kam, wie es kommen musste. Vor lauter Aufregung und der Flut an Eindrücken vergassen wir, auch mal für uns zu sorgen. Am frühen Nachmittag spürten wir einen unglaublichen Durst, ich meinte gar, mich leichten Schwindelattaken hingeben zu müssen.

 

«Wasser! Ich brauche Wasser!»

Seit fünf Stunden hatten wir in dieser Mordshitze kein Wasser getrunken. Nun klapperten wir Laden für Laden ab, bis wir ein kleines, für unsere Verhältnisse ziemlich sehr schmuddeliges Lokal entdeckten. Schnell füllten wir unsere Reserven mit je einem Liter Wasser, fühlten uns dann schon deutlich wohler. Die Frau des Hauses servierte uns dann «Rice and Curry»… ein origineller Anblick: Die Teller wurden mit einer Klarsichtfolie eingepackt. Wahrscheinlich muss man die Teller dann nicht abwaschen…

 

Das Essen schmeckte lecker, doch von Scharf kann auch dieses Mal keine Rede sein. Hmmm… da wurden wir im Vorfeld doch so oft davor gewarnt, doch die ersten beiden «Rice and curry»’s waren fad. Seltsam…

 

Was uns das Ganze wohl kosten sollte? Nun, das eine Bierchen am Vorabend kostete uns 300 Rupien. So waren wir nicht minder verblüfft, als wir für Essen und Trinken gerade mal 350 Rupien bezahlen sollten. Generell scheinen uns die Preisunterschiede extrem. Dabei meine ich nicht eine Art Touristenabzocke, wie wir das von einigen arabischen oder östlichen Ländern kennen, sondern die klar deklarierten Preise in Läden und Restaurants. Die bewegen sich nämlich schnell mal um den Faktor 20 herum.., ungewohnt!

 

Der kurze Besuch beim Optiker

 

Es ist ja wohl normal, dass man etwas vergisst und man es erst am Zielort bemerkt. Ich vermisse meine geliebte Spezialsonnencreme, bei Gabi ist es ihre Lesebrille. Bereits beim Edelsteinhändler war die bereitgestellte Lupe nur mehr ein schwacher Notbehelf. So suchten wir den nächsten Optiker auf. Hmmm… von der «Properness» unserer Optiker sind wir ja weit entfernt.

 

Nicht grösser als ein kleiner Kiosk, aber dennoch sechs wartende Kunden und zwei Angestellte fanden darin Platz… und dann kamen noch wir dazu. Die Auswahl war schnell getätigt… es steht genau ein Modell zur Auswahl. Perfekt… dummerweise hatten wir keine Rupien mehr und von den Dollars wollten die Damen nichts wissen. Also verliessen wir den Laden wieder, ohne Brille, dafür mit einer neuen Aufgabe vor uns.

 

Wir betreten eine Bank

 

Unsere Rupien gingen zu Neige und wir brauchten Nachschub. Ab zur nächsten Bank! Wir betreten die ersten Stufen, machen halt und staunen: In diesem relativ kleinen Raum stehen fünfzig, sechzig, wenn nicht hundert Menschen, dazwischen einige Sicherheitkräfte mit ihren grossen Gewehren, Männer, Frauen, Kinder… wie auf dem Markt, aber mit einem Unterschied: Es war ruhig, gar leise, selbst die Bankangestellten flüsterten derart leise, dass man sie auch in Angesicht zu Angesicht fast nicht hörte.

 

Wir wollten fast umdrehen, doch Gabi erinnerte sich an eine Empfehlung eines alten Schulfreundes. Pitsch meinte nämlich, ein Bankbesuch müsse man hier einfach erlebt haben. So wagten wir es dennoch und wurden, kaum hatten wir den Raum betreten, sofort von einem Sicherheitsmann in Empfang genommen, an den vielen Menschen vorbeigeleitet und ein Stuhl wurde für uns freigemacht. Eine solche Sonderbehandlung sind wir uns definitiv nicht gewöhnt. Der Rest der Aktion war unspektakulär: US-Dollars zeigen, Passkontrolle, Rupien entgegennehmen.

 

Danach zogen wir wieder los, streiften durch enge Gassen, die Sonne strahlte von oben, die heisse Teerstrasse grillte uns von unten. Einige Kilometer Fussmarsch später stand ich vor der Entscheidung: Sonnenbrand oder -stich oder eine Tuktuk-Fahrt zurück ins Hotel. Wir entschieden uns fürs Letztere. :-)

 

TukTuks, das Verkehrsmittel erster Wahl

 

Eines muss man den zahlreichen TukTuk-Fahrern ja lassen. Sie lassen nichts anbrennen. Kaum hebt man die Hand, schon kreisen sie einen wie Fliegen eine schmackhafte Alpenpizza ein. Schnell noch den Preis verhandelt und schon startete das Gefährt und brachte uns mit angenehmem Fahrtwind ins Hotel zurück.

 

Rice and curry, Kapitel 3

 

Heute blieben wir im Hotel, wollten einen gemütlichen Abend mit einem leckeren Tröpfchen Wein in der wunderschönen Anlage verbringen. So bestellten wir zum dritten Mal «Rice and curry» und auf die Frage nach der Schärfe wagten wir nach den bisherigen Erfahrungen ohne grosse Befürchtungen die Aussage «medium».

 

Wenig später wurde uns das schön angerichtete Essen serviert. Hungrig packten wir unsere Gabeln, stachen ich ein Möckli Fleisch, ergänzten die Ladung mit etwas Reis und führten das Ganze zum Mund. Uuuuaahhhhhhhhh!! Die nächste halbe Stunde schnappte ich regelrecht nach Luft. Ein schärfe-bedingter Schluckauf sorgte dafür, dass unsere Gespräche nicht mehr so flüssig liefen. Nun wissen wir also, dass es die vielbeschworene Schärfe des singhalesischen Essens doch gibt… :-)

 

Angetrieben von der feurigen Schärfe fragte sich Gabi bis zur Küche durch und stattete dort einen kurzen Besuch ab. Die vielen Köche waren über den unerwarteten Gast in ihrer Kombüse höchst erfreut und hatten sichtlich Spass.

 

Wir wiederum hatten damit endlich noch ein paar Fotos für den Blog… :-) Denn den grössten Teil des Tages habe ich mit der grossen Spiegelreflexkamera festgehalten, habe hier aber keine Möglichkeit, diese Bilder in den Blog zu kriegen. So muss das eben noch bis zu unserer Rückkehr warten und wir werden die nächsten Tage vermehrt unsere Handykamera zücken.

Sei gespannt, was wir morgen von dieser fernen Insel berichten werden… noch wissen wir nicht, was uns erwartet. :-)

 

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One comment

  1. hoi ihr zwei sonnen- und curry hungrigen flitterwöchler.
    toll euren ferienblog, wie immer spannend und mit tollen fotos, da kommen mir so manche schöne erinnerungen an unsere traumhafte sri lanka reise hoch.. nach zehn jahren tönen die erlebnisse noch ziemlich gleich :-)
    wünschen euch noch eine tolle zeit und wir freuen uns gespannt auf die fortsetzung des flitterwochenabenteuers.
    liebi grüessli mami und co.