Dienstag , 12 Dezember 2017

Schweizer Währungswucher am Kiosk – Deutsche Verlage zocken Schweizer Konsumenten ab

Jedesmal wenn ich wieder einmal an einem Kiosk stehe und mir aus Fachinteresse oder manchmal auch aus Langeweile eine neue Zeitschrift kaufe, ärgere ich mich… und in den letzten Monaten wurde mein Ärger noch grösser.

Ihr kennt das bestimmt auch, da stehen auf dem Zeitschrift-Cover schön gedrängt die Preise für jedes Land… hier als Beispiel das «Geocaching-Magazin»:

Man braucht kein grosses Rechengenie zu sein, um zu erkennen, dass hier etwas nicht so wirklich stimmt. Genau! Das Verhältnis zwischen dem deutschen Preis in Euro und dem Schweizer Franken-Preis. Schaut man durch die Regale stellt man fest, dass die deutschen Zeitschriften mit einem «Umrechnungskurs» von rund 1 € = 2 CHF rechnen… seit Einführung des Euros war der Wechselkurs nicht einmal annäherend in dieser Region zu finden!

Wer ist Profiteur dieser Wucher-Umrechnungskurse?

Heute zahlt man für einen Euro etwa Fr. 1.20… wir Schweizer werden da einfach abgezockt! Doch von wem?

Das wollte ich in Erfahrung bringen und schrieb mehrere Verlage an. Zuerst das Geocaching-Magazin:

Liebes Geocaching-Magazin-team

Erst mal ein Kompliment an Euch. Euer Magazin ist eine tolle Bereicherung und ich habe bislang keine Ausgabe ausgelassen.

Was mich jedoch weniger erfreut, ist die sehr kundenunfreundliche Preisgestaltung in der Schweiz. Das Heft wird in Deutschland zu EUR 4,70 angeboten, ein fairer Preis wie ich finde. In der Schweiz musste ich am Kiosk jedoch ganze CHF 9.40 bezahlen. Beim aktuellen Wechselkurs von 1.22 bezahlt der Schweizer umgerechnet rund EUR 7.70, also unglaubliche 64% mehr als der deutsche Leser.

Da beim Kioskverkauf diese Dimension der Preisgestaltung offenbar System hat, bereite ich derzeit einen ausführlichen Blogbeitrag vor und bitte hierzu um eine kurze Stellungsnahme.

a) Wer legt den CHF-Preis für die Schweiz fest und ist Profiteur des angewendeten, überhöhten Wechselkurses?

b) Wie denkt Ihr Verlag darüber?

c) Was soll der Konsument tun, um dagegen zu steuern?

In etwa dasselbe Schreiben ging auch an «PC Action» (Computec), Geo-Magazin, Computerbild, c’t (Heise), digitalPhoto (Falkemedia), Stern und als Vertreter für den Vertrieb an die Valora AG, Betreiber der marktführenden kKiosk-Kette. Ich war gespannt, was da an Antworten eintreffen werden.

PC Action (Computec)

Preis in Deutschland 5.50 Euro, Schweizer Preis Fr. 11.00 (9.16 Euro*) – das sind umgerechnet 66% mehr als in Deutschland!

Nur wenige Stunden nach meiner Mail erhielt ich eine erste Reaktion des Verlages zugestellt. Man wolle keine offizielle Stellung beziehen und der Verkaufspreis sei seit Jahren konstant. Das zog natürlich gleich eine weitere Mail meinerseits mit sich, worin ich mein Bedauern über die Diskussionsverweigerung ausdrückte und dezent darauf hinwies, dass der Verkaufspreis tatsächlich konstant geblieben sei, ganz im Gegensatz zum Währungskurs. Es folgte bald darauf erst eine telefonische Rückmeldung, danach eine Stellungsnahme des Verlagsleiters Hans Ippisch.

Wie Sie sicherlich festgestellt haben, halten wir unsere Copy-Preise seit Jahren konstant. Wir haben den Preis nicht erhöht, als der Franken ungünstig zur DM/EUR stand. Und nicht gesenkt, als es anders rum war. Mir ist klar, dass durch die Kursentwicklung das Verhältnis nun etwas schief ist; wir prüfen die Situation seit geraumer Zeit mit unserem Vertrieb DPV.

Wir wollen grundsätzlich vermeiden, dass wir permanent die Preise ändern; Sie können sich jedoch sicher sein, dass wir die Situation genau prüfen, gerade auch als Unternehmen der Marquard-Media-Gruppe.

Es geht hier sicherlich nicht darum, den Gewinn zu maximieren auf Kosten der Leser.

Aha… ich konnte es nicht lassen und hakte nach:

Gemäss beiliegendem Kursentwicklungschart (1998-2011!) lag der Kurs nie auch nur annähernd bei dem von den Verlagen angewendeten Umrechnungskurs von 2:1. Insofern zieht die Begründung, auf Preiserhöhungen verzichtet zu haben, nicht wirklich. Seit jeher zahlt der Schweizer Konsument massiv mehr.

Herr Ippisch ergänzte daraufhin seine Antwort und verweist auf die in der Schweiz erhöhten Vertriebsaufwendungen und der Tatsache, dass pro verkauftem Heft der Verlag einen deutlich geringeren Anteil erhalte.

Hmm… scheint als ein Vertriebsproblem zu sein. Dann wollen wir mal die Antwort der Valora AG anschauen:

Valora AG (KioskK)

Frau Misteli (Senior Vice-President der Valora Management AG) antwortete mir mit einem ausführlichen Mail:

a) Wer legt den CHF-Preis für die Schweiz fest und ist Profiteur des angewendeten, überhöhten Wechselkurses?

Valora kann die Preise der Zeitungen und Zeitschriften nicht bestimmen und hat entsprechend keinerlei Einfluss darauf. Die Preishoheit liegt bei Verlagen und wird ausschliesslich durch diese gestaltet. Valora ist an diese Preise gebunden (Preisbindung). Es gilt dabei folgendes zu beachten:

1. Ausländische Zeitungen und Zeitschriften orientieren sich bei der Preisgebung in der Schweiz an ihren jeweiligen Schweizer Konkurrenzprodukten, welche allgemein deutlich teurer sind.

2. Die Schweiz hat auch eine unterschiedliche Margen- und Kostenstruktur – Diese ist getrieben u.a. durch lokale Kosten (z.B. Transport, Zoll) und Gegebenheiten unseres Landes wie z.B. Topografie, Dichte der Verkaufsstellen.

3. Ausländische Objekte müssen ihre Auflagen in der Schweiz allein aus den Vertriebserlösen finanzieren, da sie (in der Regel) keine Werbeeinnahmen aus der Schweiz erhalten.

4. Aufgrund der geringeren Einwohnerzahl sind auch die vertriebenen Auflagen in der Schweiz deutlich tiefer als zum Beispiel in Deutschland. Dies führt zu höheren Stückkosten des einzelnen Exemplars (und prozentual höheren Remissionsquoten).

Valora kann aus der Wechselkursentwicklung CHF-EUR keinen Nutzen generieren! Das Pressegeschäft ist ein Kommissionsgeschäft, das heisst, Valora erhält %-Satz vom Verkaufspreis in CHF von Verlagen (Verrechnung in CHF). Valora‘s Kosten entstehen ebenfalls in CHF.

b) Wie denkt Valora AG darüber?

Wie bereits erwähnt, rechnet Valora mit den deutschen Verlagen in Franken ab.

Weiter zeigen uns die Zahlen und Fakten,

1. dass der Markt funktioniert: Der durchschnittliche Verkaufspreis von Schweizern Titel erhöhte sich 2010 um fast 6% (von CHF 3.03 auf 3.21), derjenige von deutschen Titeln um 1.7% (von CHF 4.68 auf 4.76)

2. dass der Konsument verschiedene Wahlmöglichkeiten hat: der Konsument kann beispielsweise aufs stark rabattierte Abonnement ausweichen.

c) Was soll der Konsument tun, um dagegen zu steuern?

Ein kiosk Kunde schätzt in erster Linie die Pressevielfalt sowie die Aktualität und Qualität, beziehungsweise Originalität der einzelnen Presseprodukte – er kann aber frei entscheiden, ob er ein Produkt kaufen will oder nicht. Zudem stehen heute Internet und Gratiszeitungen als grosse Konkurrenz im Markt da.

Interessant, fand ich – jetzt sind es also wieder die Verlage! Jeder schiebts auf den anderen… und verantworlich ist niemand?

Auch sonst erscheinen mir gewisse Argumentationen an den Haaren herbei gezogen. So zum Beispiel die Aussage, dass «aufgrund der geringeren Einwohnerzahl auch die vertriebenen Auflagen in der Schweiz deutlich tiefer sind als zum Beispiel in Deutschland. Dies führt zu höheren Stückkosten des einzelnen Exemplars (und prozentual höheren Remissionsquoten).» Als würden die Zeitschriften spezielle Schweizer Auflagen produzieren… (wenige Ausnahmen gibts natürlich, z.B. das Geo-Magazin mit einigen zusätzlichen Schweizer Seiten). Und als vergleichbares Land könnte man ja auch noch Österreich hinzuziehen: Ähnliche Topografie, ähnliche Grösse, ähnliche Einwohnerzahl… und nur ein klein wenig teurere Preise als in Deutschland. Dort ist es also möglich?

Lassen wir also die restlichen angeschriebenen Verlage noch zu Worte kommen. So antwortete der «Kundenservice» des DPV Deutscher Pressevertriebs auf meine Anfrage, welche ich originär an den Stern gesendet habe. (Man beachte, bereits Computec erwähnte: «Mir ist klar, dass durch die Kursentwicklung das Verhältnis nun etwas schief ist; wir prüfen die Situation seit geraumer Zeit mit unserem Vertrieb DPV.»)

DPV Deutscher Presservertrieb, im Namen vom Stern-Magazin

Preis «Stern» in Deutschland 3.40 Euro, Schweizer Preis Fr. 6.50 (5.33 Euro*) – das sind umgerechnet 57% mehr als in Deutschland!

Ohne Angabe einer Namensnennung des Verfassers erhielt ich diese Antwort:

vielen Dank für Ihre Frage, die wir angesichts des Preisunterschieds verstehen.

Der Landesverkaufspreis von 6,50 CHF beinhaltet andere Einflussfaktoren als in Deutschland (z.B. höhere Transportkosten, andere Händlerprovisionen und Remissionen, Zoll, Wechselkursschwankungen und das in der Schweiz (auch für uns) allgemein höhere Kostenniveau). Bei Abonnements entstehen höhere Verpackungs- und Konfektionierungskosten, höhere Post- Porti und z.B. Mehraufwände im Zahlungsverkehr.

Insgesamt unterscheiden sich also die Schweizer Rahmenbedingungen deutlich von denen in Deutschland.

GEO (Gruner + Jahr AG & Co KG)

Preis «GEO» in Deutschland 6.30 Euro, Schweizer Preis Fr. 13.00 (10.65 Euro*) – das sind umgerechnet 69% mehr als in Deutschland!

GEO-Vertriebsleiterin Ulrike Klemmer schrieb mir:

Vorweg das Wichtigste: Wir bieten unseren Lesern in der Schweiz einen besonderen Service, indem wir die Schweiz-Auflage mit einem erweitertem redaktionellen Teil erscheinen lassen.

Der Verlag Gruner+Jahr investiert erhebliche Summen in die Produktion der GEO-Reihen, die eine hervorragende Qualität an Inhalt und Ausgestaltung bieten. Um diese extrem hohe Qualität zu erreichen und zu halten, sind angemessene Preise notwendig und richtig.

Im Vertrieb von Presseprodukten ist es nun wiederum üblich, dass der Verlag das Risiko von nicht-verkauften Magazinen übernimmt. Der Verlag erstattet also dem Händler an der Ecke seinen Einkaufspreis für alle Exemplare, die dieser nicht verkauft. In der Pressevertriebsbranche spricht man diesbezüglich von Remissionen. Der Ladenpreis eines Heftes muss also nicht nur die Marge des Zwischenhandels erwirtschaften, sondern neben den Transportkosten auch noch die Kosten für die Produktion und den Transport der nicht-verkauften Exemplare, also der Remission – und die Remissionen betragen je nach Magazin und Thema in der Schweiz durchschnittlich zwischen 45% und 55%.

GEO kostet im Schweizer Kiosk CHF 13,00 und dies bereits seit Anfang 2009. Wir können Verkaufspreis – sowohl nach oben, als auch nach unten -leider nicht flexibel den Währungskursschwankungen anpassen. Allerdings werden wir bei zukünftigen Preiserhöhungen den dann gültigen Wechselkurs berückssichtigen und voraussichtlich den Schweizer Preis (vorausgesetzt die Wechselkursverhältnisse bleiben ähnlich) – wenn überhaupt – nur unterproportional anpassen.

Schweigende Verlage ohne Lust zur Diskussion

Gerne hätte ich die Liste fortgesetzt, doch auch auf eine zweite Nachfrage erhielt ich vonm folgenden Verlagen keine Reaktion/Antwort/Stellungsnahme:

  • Computer Bild
    Preis in Deutschland 5.50 Euro, Schweizer Preis Fr. 11.20 (9.18 Euro*) – das sind umgerechnet 67% mehr als in Deutschland!
  • Geocaching-Magazin
    Preis in Deutschland 4.70 Euro, Schweizer Preis Fr. 9.40 (7.70 Euro*) – das sind umgerechnet 64% mehr als in Deutschland!
  • c’t (Heise)
    Reguläre Ausgabe: Preis in Deutschland 3.70 Euro, Schweizer Preis Fr. 6.90 (5.66 Euro*) – das sind umgerechnet 53% mehr als in Deutschland!
    Sonderheft-Preis in Deutschland 8.90 Euro, Schweizer Preis Fr. 16.50 (13.85 Euro*) – das sind umgerechnet 56% mehr als in Deutschland!
  • digitalPhoto (Falkemedia)
    Preis in Deutschland 6.90 Euro, Schweizer Preis Fr. 12.90 (10.57 Euro*) – das sind umgerechnet 53% mehr als in Deutschland!

Gerade bei c’t bin ich sehr enttäuscht darüber. Die meiner Meinung nach glaubwürdigste Computer-Fachzeitschrift überhaupt tritt immer wieder als die gute Seite im Kampf gegen das Böse an, nimmt Partei für reingelegte Kunden und bekämpft Schindluderei. Doch wenn es um die eigene Preispolitik geht, scheint man keine schlafenden Hunde wecken zu wollen.

Ich hoffe, dass mit diesem Beitrag diese Hunde geweckt werden, sich bellend und kläffend durch die Zeitschriften und Verlagslandschaft Gehör verschaffen und sich endlich was tut.

Es ist eine Frechzeit, uns (Schweizer) derart abzuzocken. Ich sag ja nichts gegen einen Mehrpreis von 10 oder auch 20%… aber bei 60% hört der Spass einfach auf!

Updates

11.7.2011 12.50: Vorhin hat sich eine freundliche Dame vom c’t Leserservice bei mir telefonisch gemeldet. Man wurde auf diesen Artikel aufmerksam und wollte entsprechend reagieren. (Meine Mails an den Verlag drangen offenbar nicht bis zum Leserservice durch.) So erhielt ich denn auch folgende Stellungsnahme: Man arbeite derzeit an einer neuen Preisfindung. Man habe ebenso festgestellt, dass ein Missverhältnis zwischen angewendetem und effektivem Währungskurs bestehe und bis Ende Jahr sollen neue Schweizer Preise für die Zeitschriften aus dem Heise-Verlag festgelegt werden.

Weiterführende Links

*) Angewendeter Umrechnungskurs von 1.22 (Stand 27.06.2011)

Check Also

Wie Comparis es immer wieder schafft, mit denselben Aussagen in die Schlagzeilen zu kommen.

Die Schlagzeile in 20 Minuten vom 3.1.2014 ist symbolhaft zu verstehen, mein Beitrag betrifft die …

57 comments

  1. Jeder, der Deutsche Prints zu diesen Preisen käuflich erwirbt,
    ist, Sorry ich kann’s nicht anders sagen, ein Volltrottel.

    Benutzt alternative Bezugsmöglichkeiten

  2. Ich lese seit Jahrzehnten die c’t und die ix. Hierbei sind mir auch die Preise sauer aufgestossen. Nach Rückfrage beim Heise Verlag, habe ich in etwa die gleiche unbefriedigende Anwort erhalten wie in deinem Bericht wiedergegeben. Die Abos habe ich daraufhin gekündet.
    Zwischenzeitlich habe ich einen iPad angeschafft und beziehe die genannten Zeitschriften über die App. Die Preise sind minimal höher als in Deutschland, CHF 4.00 für die c’t und CHF 6.00 für die ix. Natürlich macht es kaum Sinn nur wegen eines Abos einen iPad anzuschaffen. Aber für mich stimmt diese Lösung bisher, da die Anschaffung des iPads aus anderem Grund erfolgte.
    Enttäuschend ist das Verhalten von Heise auch deshalb, da kein Hinweis auf diese Alternative von Ihnen gekommen ist und dass obwohl ich sie per Mail angefragt habe.

  3. Hoi Huwi

    Liest Du eigentlich das GEO? Vielleicht ist Dir dann diesen Monat aufgefallen, dass der Schweiz-Sonderteil weggefallen ist. Soviel zu „Wir bieten unseren Lesern in der Schweiz einen besonderen Service“…

    Gruss
    marco

  4. Sehr guter Beitrag, danke dafür! Obwohl ich das Thema noch nie so differenziert angeschaut habe, stösst mir der Preisunterschied beim Geo-Magazin (ca. 40 CHF beim Jahresabo) schon lange sauer auf. Selbst wenn ich möchte, darf ich das Geo-Abo nicht in der Deutschen Ausgabe bestellen. Ich überlege mir, meine Deutsche Lieferadresse zu verwenden, um den Preisunterschied zu umgehen. Ob sich das dann aber noch lohnt, ist auch fraglich.

    In der Argumentation der Verlage ist zumindest ein Fehler. Druckerzeugnisse bezahlen beim Import in die Schweiz keine Zollabgaben. Zudem ist die Mehrwertsteuer mit aktuell 2.5 % nicht mal ein Drittel so hoch wie in Deutschland (8 % so viel ich weiss).

  5. Dies ist übrigens die Antwort, die ich dazumal bekommen habe:

    „… vielen Dank für Ihre Kontaktaufnahme, auch wenn der Anlass ein für Sie unerfreulicher war: Der GEO-Heftpreis in der Schweiz, so Ihr Eindruck, sei zu hoch, insbesondere im Vergleich mit dem Preis in Euro, der in Deutschland für unser Magazin verlangt wird.

    Zunächst: Sie haben sicher recht mit dem Hinweis, dass GEO nicht billig ist ? aber GEO ist auch nicht billig gemacht. Unsere Redaktion legt höchste Maßstäbe an, wenn es um redaktionelle Qualitäten geht, und das wird uns von außen immer wieder bestätigt:
    GEO gewinnt regelmäßig renommierte journalistische Auszeichnungen, und die
    GEO-Qualität wird von seinen Lesern überaus geschätzt, wie wir aus regelmäßigen Abonnenten-Befragungen wissen. Und ganz aktuell ist, so die in dieser Woche veröffentlichte Media-Analyse 2/2011, auch die Reichweite des Magazins ? also die Zahl der Menschen, die GEO lesen ? erheblich gestiegen, auf nunmehr 3,65 Mio. Leser allein in Deutschland.
    Es gibt also viele Menschen, die den Preis des Magazins für angemessen halten ?
    zumindest in Deutschland. Wir können allerdings nachvollziehen, dass es sich aufgrund der aktuellen Wechselkurssituation für Sie subjektiv so darstellt, als sei der Preis überzogen.
    Dazu erlauben Sie uns zunächst die Anmerkung, dass der GEO-Copypreis insgesamt ? also auch in der Schweiz – seit fast drei Jahren unverändert ist. Mit Heft 1/2009 wurde der Preis letztmalig angepasst, und zwar auf Basis des damals relevanten Wechselkurses.
    Seitdem hat dieser bekanntlich Kapriolen geschlagen, was aber nichts mit der jeweiligen Binnen-Kaufkraft zu tun hat: Für einen Schweizer Leser, der sein Gehalt in Schweizer Franken bezieht, ist der Copypreis für das Magazin GEO seit Anfang 2009 ebenso stabil wie für den deutschen Leser.

    Und das, obwohl die Kosten für die Produktion des Magazins seitdem gestiegen sind:
    Die Gehälter für die GEO-Redakteure und deren Kollegen im GEO-Verlag, das Papier,
    die Versandkosten und viele Kostenarten mehr.
    Nun mögen Sie fragen, warum überhaupt ein Preisunterschied zwischen einer im Ausland verkauften Auflage und der deutschen Auflage besteht, denn auch etwa in Österreich wird ein höherer Preis als in Deutschland verlangt, obwohl beide Länder im Euro-Raum liegen.
    Sie ahnen einige der Gründe: Zum einen fallen höhere Transportkosten an, um die Maga-zine ins Ausland zu bringen, wie etwa beim Postversand, bei der Zollabfertigung, aber auch für die Speditionen. Hinzu kommen höhere Kosten für die Abwicklung des Zahlungsver-kehrs und spezielle Vertriebskosten aufgrund der andersartigen Beschaffenheit etwa des Schweizer Pressemarktes. Viele dieser Kosten fallen für uns im Übrigen nicht in Euro an, sondern in Schweizer Franken: So werden uns zum Beispiel die Preise für die Bewerbung von GEO in Schweizer Medien in Franken berechnet, nicht in Euro.
    Hinzu kommt, dass die Schweizer Ausgabe des Magazins GEO gegenüber der deutschen Fassung bei vielen Ausgaben redaktionell um einen Schweizer Teil erweitert wird, den Sie als ?Schauplatz Schweiz? sicherlich kennen ? die Schweizer Ausgabe hat also einen etwas größeren Umfang als die deutsche Ausgabe. Müßig zu erwähnen, dass die Schweizer Autoren, die diesen redaktionellen Teil erarbeiten, ihr Gehalt ebenfalls in Franken erhalten, und nicht in Euro.
    Alles in allem sind dies, so meinen wir, wichtige Gründe, die eine Preisdifferenzierung in der Schweiz rechtfertigen. Die Frage, die Sie mit Recht stellen, lautet dann aber: Wie hoch darf diese sein?
    Bei preisgebundenen Produkten wie Zeitschriften ist es schlicht nicht möglich, Wechsel-kursschwankungen etwa durch monatlich veränderte Copypreise zu berücksichtigen. Auch etwa jährliche Anpassungen machen dann keinen Sinn, wenn Wechselkurse ? wie aktuell zu beobachten ? nicht etwa langfristige Kaufkraftparitäten abbilden, sondern vor allem spekulativ getrieben sind.

    Wir verfolgen daher den Ansatz, jeweils bei Copypreiserhöhungen eine Überprüfung der Auslandspreise für unsere Magazine vorzunehmen, die auf den mittelfristig zu erwartenden Wechselkurs- und sonstigen Kostenentwicklungen fußen. Sollte sich der Wechselkurs des Schweizer Franken zum Euro also weiterhin so entwickeln wie zuletzt, ist es grundsätzlich möglich, dass die nächste GEO-Copypreiserhöhung zwar in Deutschland, aber nicht in der Schweiz stattfindet.
    Und dass sich die Schweizer Leser dann auch weiterhin über einen Copypreis freuen können, der seit Januar 2009 unverändert ist.

    Wir hoffen auf Ihr Verständnis für unsere Position. Und wir wünschen Ihnen auch weiter-hin viel Freude mit GEO, das die Redaktion nach wie vor in der hohen Qualität erstellen wird, die Sie gewohnt sind.

    Schließlich danken wir Ihnen noch einmal sehr herzlich dafür, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, uns zu kontaktieren und uns damit die Möglichkeit zu geben, Ihre Meinung kennen zu lernen…“

  6. Dieselben Argumente wie immer, und noch immer geht das nicht auf: Die GEO-Magazine werden per Lastwagen in die Schweiz gebracht, denn verschickt werden sie nicht aus Deutschland. Das dürfte eine sehr grosse Anzahl sein, sodass die Kosten dafür vernachlässigbar sind, insbesondere da ja die MWsT in der Schweiz viel tiefer ist. Der Importeur (Gruner) kriegt da also mehr zurück, als er bezahlen muss. Die Zahlungen erfolgen ebenfalls auf ein Schweizer Konto, also keine zusätzlichen Kosten, sondern, falls erwartungsgemäss alle Zahlungen online getätigt werden, überhaupt keine Kosten. Dass GEO nicht billig gemacht ist, bezweifelt sicher niemand, der es regelmässig liest (auch wenn ich gerade in den letzten Monaten enorm enttäuscht war von der Qualität der Artikel). Aber diese Argumentation ist ja nicht nur für die Schweiz korrekt, sondern für alle Länder.
    Somit bleibt ein einziges Argument: Der zusätzliche Teil für die Schweiz. Wäre spannend zu wissen, ob es den in Deutschland nicht auch gibt. Weiss da jemand mehr?

  7. Grüezi
    top recheriert und informativ. Habe es kürzlich wieder einen ähnlichen Brief nach Deutschland geschickt. Ueber eine Antwort mach ich mir keine Illusionen und verzichte deshalb möglichst auf deutsche Presse-Erzeugnisse.
    Gruss Peter